Was ist ECVET?

Grundprinzipien von ECVET

ECVET ist ein System zur Ansammlung, Übertragung und Anrechnung von Leistungspunkten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. ECVET zielt darauf ab, Transparenz, Mobilität und Durchlässigkeit zu fördern – und zwar:

  • über Ländergrenzen hinweg (transnationale Mobilität) sowie
  • zwischen Bildungs- bzw. Qualifikationsbereichen (lebenslanges Lernen).

Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die Lernende in einem Bereich der beruflichen Bildung erworben haben, sollen auch in einem anderen Bildungskontext anerkannt werden können.

Die Kernelemente von ECVET sind:

Einheiten von Lernergebnissen

ECVET basiert auf der strukturierten Beschreibung einer Qualifikation in so genannten Einheiten von Lernergebnissen:

  • Lernergebnisse bezeichnen unabhängig von Lernort, Lernkontext und Lerndauer, was Lernende wissen, verstehen und in der Lage sind zu tun, nachdem ein Lernprozess abgeschlossen ist.
  • Einheiten sind Teile einer Qualifikation, die aus zusammengehörigen Lernergebnissen bestehen („Bündel von Lernergebnissen“).

ECVET-Punkte

ECVET-Punkte liefern zusätzliche Informationen und beschreiben in numerischer Form das „Gesamtvolumen“ einer beruflichen Qualifikation sowie die Bedeutung der einzelnen Einheiten von Lernergebnissen in Relation zur gesamten Qualifikation.

  • ECVET-Punkte werden zunächst der gesamten Qualifikation zugeordnet. Die Gesamtsumme wird dann auf die Einheiten entsprechend ihrem re­lativen Gewicht in Relation zur Qualifikation aufgeteilt.
  • Bei der Kalkulation von ECVET-Punkten ist folgende, auf europäischer Ebene getroffene Übereinkunft zu beachten: Für die Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die in einem Jahr in einer formalen Vollzeit-Berufsausbildung erworben werden, können 60 Punkte vergeben werden.
  • ECVET-Punkte sind immer im Zusammenhang mit den Lernergebnisbeschreibungen zu betrachten.

Transferprozess

Die Übertragung von Lernergebnissen, die in einer Lernumgebung erworben wurden, in einen anderen Kontext wird als Transfer bezeichnet. Die Basis dafür liefert die strukturierte Beschreibung in Form von Lernergebnissen und Leistungspunkten, die eine Art „gemeinsame Sprache“ zwischen unterschiedlichen Bildungskontexten bildet.

Zur Unterstützung des Transferprozesses stellt ECVET Formulare zur Verfügung, welche auf europäischer Ebene entwickelt wurden, und welche von Bildungseinrichtungen genutzt werden können, um Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen zu schließen:

  • Partnerschaftsvereinbarungen (Memorandum of Understanding – MoU): Darin werden die Voraussetzungen für den Transfer von Lernleistungen von einem Kontext in einen anderen festgehalten. Ein MoU enthält Informationen über die Organisationen, die das MoU unterschreiben sowie über Qualifikationen und Einheiten von Lernergebnissen, die für den Transfer in Frage kommen, und beschreibt die Verfahren und Verantwortlichkeiten für die Bewertung, Dokumentation, Validierung und Anerkennung dieser Lernleistungen.
  • Lernvereinbarungen (Learning Agreement, LA): Dieses Dokument wird zur Festlegung der jeweiligen Voraussetzungen für einen konkreten Transferprozess, insbesondere im Rahmen von Mobilitätsprojekten, abgeschlossen. Eine LA wird von den dazu befugten Einrichtungen (z.B. Schulen im Herkunfts- und Gastland) und der/dem jeweiligen mobilen Lernenden abgeschlossen. Darin sollen Informationen zur Person der/des mobilen Lernenden, zur Dauer des Auslandsaufenthaltes, die zu erwerbenden Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen und zu den damit verbundenen ECVET-Punkten enthalten sein. Ebenso sollen der Zeitpunkt und die Form der Bewertung und Dokumentation der Lernleistungen klargestellt werden. Im Besonderen sollte auch festgelegt werden, dass die Herkunftseinrichtung – sofern die vereinbarten Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen erzielt werden – diese dann im Entsendeland auch validiert und anerkennt.

Weitere zentrale Schritte im Transferprozess bilden die Bewertung und Dokumentation von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die in einem Kontext erworben werden, um ihre Anrechnung in einem anderen Kontext zu ermöglichen. Diese Dokumentation der erworbenen und bewerteten Lernergebnisse erfolgt in einem Persönlichen Leistungsnachweis (Learner’s personal transcript).